Studium Generale - Im Schatten Bismarcks Europäische Geschichte von 1871 - 1890
Studium Generale
Dr. Rudolf Oswald
Kein anderer Politiker prägte die Geschichte Deutschlands und Europas im ausgehenden 19. Jahrhundert wie Bismarck. In der Außenpolitik das brüchige internationale Gleichgewicht der Mächte durch Konferenzen und Bündnisverträge stabilisierend, versuchte der „Eiserne Kanzler“ im Inneren soziale, konfessionelle und ethnische Gruppen gegeneinander auszuspielen, um die Vorherrschaft des autokratisch geprägten Preußen im 1871 gegründeten Reich zu sichern.
Neben den entscheidenden politischen Ereignissen und Prozessen werden im Kurs Aspekte der zeitgenössischen Alltags- und Kulturgeschichte Europas ebenso wie das Zeitalter des beginnenden Hochimperialismus behandelt.
In einer eigenen Literatur-Sitzung wird die Geschichte des ausgehenden 19. Jahrhunderts – aus britischer Perspektive – vor dem Hintergrund des spätviktorianischen Schauerromans beleuchtet.
Dipl. Päd. Florian Kneidl
Bei unserer Betrachtung der romantischen Musik in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts steht das Schaffen deutscher und französischer Komponisten wie Johannes Brahms, Carl Reinecke und Camille Saint-Saens im Mittelpunkt. Außerdem wenden wir uns den nationalen Schulen in Böhmen, Norwegen und Russland zu, deren Protagonisten Elemente ihrer jeweiligen Volksmusiken in die Kunstmusik integrierten.
Barbara Macher
Die Ära Bismarcks ist philosophisch nicht unbedingt ein „goldenes Zeitalter“, sondern eher eine Phase der Übergänge: die Wissenschaft wird immer dominanter, klassische Systeme und alte Werte lösen sich auf, Religion verliert Deutungskraft und moderne Subjektivität entsteht. Das Denken des Menschen grundlegend verändern wollte Nietzsche mit seinem Werk „Also sprach Zarathustra“ . Eduard Hartmann, bekannt für seine Philosophie des Unbewussten, versuchte Metaphysik und Naturwissenschaft zu verbinden. Die amerikanische Parallelentwicklung zur europäischen Moderne-Krise ist William James, der Begründer des Pragmatismus. Er will weder neue Werte schaffen wie Nietzsche, noch Unbewusstes analysieren wie Hartmann, sondern seiner Meinung nach ist das, was im Leben hilft, wahr.
Elisabeth Fenk
Ein großes Ziel ist 1871 erreicht: Die Gründung eines zweiten Deutschen Kaiserreichs – als Bundesstaat der nach wie vor monarchisch geprägten Länder unter der Führung Preußens - parallel zum seit 1806 bestehenden österreichischen Kaiserreich der Habsburger K. u. k. - Monarchie. Bismarck sorgt dafür, dass bei den Bürgern der 25 vorher völlig souveränen Staaten ein „Reichs-Gefühl“ entsteht. Sozialpsychologisch gesehen genial wagt er dazu mehrere Schritte in die Moderne, die sich dann allerdings weit über seine Absichten hinaus entwickeln. So erzwingt Bismarck in der Reichsverfassung von 1871 als Ausgleich zur preußischen monarchischen Staatsspitze mit ihm als Reichskanzler ein - von diesem „neuen“ deutschen Volk in freien (!), allgemeinen (!) und gleichen (!) Wahlen alle 3 Jahre (ab 1888 alle fünf Jahre) gemeinsam gewähltes Parlament, den Reichstag. Daraus erfolgt eine rasante Parteien-Entwicklung für alle bedeutenden Kräfte und Gegenkräfte in der Gesellschaft. Diese gesellschaftlichen Kräfte werden wir in ihrer Stütz- und Sprengkraft untersuchen. Ebenfalls etabliert Bismarck - um einer Revolution entgegenzuwirken - die modernste Sozialgesetzgebung der damaligen Welt. Sie prägt bis heute den demokratischen Sozialstaat in der Bundesrepublik Deutschland.
Kunstgeschichte
Das neue Reichsbewusstsein wird
getragen von einem allumfassenden Historismus, der sich nun auch in der Kunst und Architektur entfaltet.
Aber auch in ganz Europa, ja weltweit bis Japan und China, prägt der Historismus mit seinen Neo-Stilen - Neo-Barock, Neo-Renaissance, Neo-Gotik und Neo-Romanik, auch Neo-Klassizismus - die Architektur und die Bildende Kunst in Malerei und Skulptur.
Nur zaghaft entwickelt sich von den Rändern her ab 1888 die Moderne Kunst. Aber im gesellschaftlichen Zentrum ergänzt im Imperialismus um 1900 mehr und mehr ein Archaisierender Kolossal- und Monumental-Stil den Stil-Eklektizismus (Sammelsurium von Stilen). Dieser wird von den totalitären Diktaturen weiterentwickelt werden.
Rudi Schmidt
Eine Welt zwischen Wohlstand und Ungleichheit Wir setzen unseren Blick auf die Welt des 19. Jahrhunderts voller Aufbrüche, Krisen und neuer Ideen fort. Wie erging es den Menschen? Am Ende des Jahrhunderts folgten der Industrialisierung soziale Spannungen. Aber auch technische Fortschritte kündigten sich an. Vieles davon berührt uns bis heute.
An einigen Beispielen blicken wir in eine Welt zwischen Tradition und Moderne, zwischen Bauernhof und Fabrik, zwischen Monarchie und Demokratie. Ein besonderer Fokus gilt dabei auch religiösen Bewegungen, immer unter dem Aspekt: Was hat die Menschen damals bewegt? Und was können wir heute davon lernen?
| Kursnummer | AX21-000 |
| Beginn | Mo., 28.09.2026, 14:00 Uhr |
| Ende | Mo., 01.02.2027, 15:30 Uhr |
| Dauer | 15 Termine |
| Abweichende Tage | kein Unterricht am 21.12.2026 |
| Kursleitung | |
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Dr. Rudolf Oswald
Elisabeth Fenk Dipl.- Päd. Florian Kneidl Barbara Macher |
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| Kursort | |
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vhs, Zi.1 Hallstraße 5 85049 Ingolstadt vhs, Kino Hallstraße 5 85049 Ingolstadt |
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| Entgelt | |
| 165,00 € (Ermäßigung möglich) | |
Die vhs Ingolstadt steht Ihnen als Ansprechpartner gerne zur Verfügung
Kurstermine 15
| – | Datum | Ort |
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| 1 | Montag • 28.09.2026 • 14:00 - 15:30 Uhr | vhs, Zi.1 |
| 2 | Montag • 05.10.2026 • 14:00 - 15:30 Uhr | vhs, Zi.1 |
| 3 | Montag • 12.10.2026 • 14:00 - 15:30 Uhr | vhs, Zi.1 |
| 4 | Montag • 19.10.2026 • 14:00 - 15:30 Uhr | vhs, Kino |
| 5 | Montag • 26.10.2026 • 14:00 - 15:30 Uhr | vhs, Kino |